Ich finde diese Frage nach der Waffenlieferung recht schwierig.

Deutschland wollte keine Waffen liefern und hat sich dagegen gewehrt, aus berechtigten und historischen Gründen. Der innen- und außenpolitische Druck wurde immer größer und letztendlich hat auch Deutschland das Bedürfnis irgendwie zu helfen. Irgendwas musste getan werden. Erfahrungen mit Situationen wie dieser hat man auch nicht wirklich. Von gewollter Waffenlieferung kann daher keine Rede sein.

Die Frage sollte eher lauten, ob die Waffenlieferungen notwendig waren. Die Ukraine wäre ohne diese Waffenlieferungen aus dem Westen nicht in der Lage gewesen sich zu verteidigen. Aus Sicht der Ukraine hätte man wohl kaum so große Erfolge erzielt (finde den Begriff Erfolg hier auch schwierig, denn es geht um Menschenleben). Wenn man an die Kriegsverbrechen wie beispielsweise in Butscha oder Charkiw denkt, wage ich mal zu bezweifeln, dass es eine bessere Lösung gewesen wäre, keine Waffen zu liefern und das Land dem Schicksal zu überlassen.

Das mit dem Wiederfinden der Vernunft ist an sich ja schön und gut, aber auch recht utopisch. Hat in der Geschichte der Menschheit nie wirklich funktioniert. Putin kontrolliert alle Gewalten eines Staates (Gesetzgebung, Ausführung, Rechtssprechung, Medien) und befindet sich damit klar in der Position eines Diktators. Das beste Beispiel dafür sind die jüngsten Beschlüsse der Duma und des russischen Verfassungsgerichtes, in denen ohne Gegenstimme beschlossen wurde, dass die Annexion der ukrainischen Gebiete rechtmäßig sein soll. Russland ist eine Diktatur unter dem Deckmantel eines Präsidialsystems.

Gerade wir Deutschen sollten uns mit dem Thema Diktatur auskennen. Wie wahrscheinlich ist es, einen Diktator durch reden zur Einsicht zu bringen? Die Erfahrung zeigt, dass diese Menschen in einer Blase leben, die keine andere Meinung außer die eigene zulässt. Ohne militärische Mittel hätte man das NS-Regime wohl nicht aufhalten können. Waffengewalt ist selbstverständlich scheiße, aber irgendwann geht es einfach nicht mehr ohne. Auch stellt sich die Frage, ob Putin nach der Ukraine seinen Machthunger befriedigt hat oder ob er noch nicht gesättigt ist. Will man lieber auf diese Karte setzen? Das wäre nämlich die Alternative zur Waffenlieferung.

Die Soldaten der russischen Armee ermorden und foltern auf Putins Befehl Menschen. Es geht hier nicht um eine Tötung aus der Notwendigkeit heraus (die sich beispielsweise aus der Notwehr ergibt), sondern um Tötung im Rahmen eines Eroberungsfeldzuges. Machthunger ist meiner Auffassung nach ein niederer Beweggrund und nach unserer Rechtssprechung definiert dieser Beweggrund den Begriff, den man hier anwendet. Es ist Mord. Putin ist ein Mörder und nichts weiter.
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Wer sich in einer Diskussion auf seine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern das Gedächtnis.
Leonardo da Vinci (1452-1519)