Hallo zusammen,
ich habe aufgrund meiner religiösen Zugehörigkeit eine gewisse Verbindung zum Staat Ukraine und kann deswegen wohl auch nicht vollumfänglich unparteisch sein. Jedoch steht hier wohl außer Frage, dass die Russische Föderation einen verachtenswerten Angriffskrieg gegen sein Nachbarland führt. Dies sollte (und wird ja auch zum Glück von der großen Mehrheit der Staatengemeinschaft so geteilt) auf das Schärfste verurteilt werden.

Ob und wie man letztlich den Menschen in der Ukraine helfen möchte, ist natürlich die alleinige Entscheidung jedes Einzelnen. Ob man Kleidung, Lebensmittel oder Spielzeuge für Kinder spendet oder aber den geflüchteten Frauen und Kindern aus der Ukraine bei ihren ersten Schritten in der Bundesrepublik unterstützend zur Seite steht, ist völlig egal - es kommt auf die Geste der Hilfeanbietung an. Einer ausgesprochen menschlichen Geste.
Und ja, auch wenn man in seinem Profil irgendwie durch graphische Darstellung in Form eines Bildes (beispielsweise durch den Smiley mit der Ukraine-Flagge aus der Fußballreihe) oder entsprechendem Text eine gewisse Ukraine-Verbundenheit zur Schau stellt, dann ist auch das eine Art von Hilfe. Man macht in diesem Fall darauf aufmerksam, dass in diesem Land gerade etwas passiert, wo wir Europäer, aber auch alle Demokraten aus der ganzen Welt, nicht einfach wegschauen können.

Tagtäglich fliegen Bomben auf militärische und zivile Ziele, russische Soldaten eröffnen das Feuer auf Menschen die für die Berichterstattung ( Brent Renaud ) verantwortlich sind oder flüchten möchten, Kinder werden getötet ( 115 Kinder getötet ), die russische Luftwaffe beschießt nachweislich Krankenhäuser und zerstört so die lebensnotwendige medizinische Infrastruktur in den umkämpften Gebieten in der Ukraine (u.a. Krankenhaus in Mykolajiw beschossen ). Tagtäglich begeht diese Armee eine Reihe von schweren Kriegsverbrechen und zeigt, dass sie bereit ist, die menschenverachtenden Befehle ihrer Befehlshaber auszuführen.

Und genau dort dockt dann für mich auch die Thematik mit dem Konzern Meta an. Ich sehe das hier etwas anders als meine Vorredner. Vorweg: natürlich ist es nicht okay, wenn dazu aufgerufen wird, Menschen zu töten. Sowas ist immer zu verurteilen.

Wenn nun aber Soldaten eines anderen Staates in dein Land eindringen und es einnehmen wollen, dann ist es dein Recht und auch eigentlich deine moralische Verpflichtung, es zu verteidigen. Wenn dies nur durch den unmittelbaren Einsatz von Schusswaffen erreicht werden kann, dann ist und muss auch das leider legitim sein.

Hier muss nun differenziert werden. Ein Aufruf im Sinne von 'Tötet alle Russen' ist widerlich und gehört sofort gelöscht und der Initiator gesperrt. Ein Aufruf hingegen im Sinne von 'Liebe Ukrainer, verteidigt bitte euer Land, notfalls auch mit Anwendung tödlicher Gewalt' sollte erlaubt sein.

Das ist meine Meinung. Und die würde ich auch immer wieder so vertreten.

Dass solche Aufrufe von Meta in der Vergangenheit nicht gelöscht worden sind, finde ich daher keinen Skandal, sondern genau richtig.

Ich selbst werde nächste Woche im Rahmen eines Hilfsprojektes in die Ukraine reisen und dort medizinische Hilfe leisten. Ich sehe es als meine Verpflichtung an, den Verwundeten zu helfen und alles dafür zutun, dass sie überleben. Die Menschen die dort sind, sind Menschen, die ein Leben in Frieden, Freiheit und Gleichheit führen möchten. Sie möchten keinem Autokraten gehorchen, der ihre Brüder, Schwestern, Väter, Mütter, andere Verwandte oder Bekannte getötet hat. Sie verdienen ein Leben in einer funktionierenden Demokratie. Und wenn sie Mitglied der NATO und der EU werden möchten, dann sollte man es ihnen (notfalls auch auf lange Sicht) ermöglichen.

In diesem Sinne: für die Demokratie, für die Freiheit, für die unschuldigen Menschen in der Ukraine und gegen Autokratie und Diktatur und gegen völkerrechtswidrige Annexionen und Menschenrechtsverletzungen.

Knuddelige Grüße
Isrion