Antwort auf: Gorean
Its good`s Feststellung der Truppenstärke war schon ok so weit, nur hat er die Bereitschaft der Frauen vergessen, die mit in den Kampf ziehen, da Frauen in der Ukrainischen Armee sich Verpflichten lassen konnten.


Das wusste ich nicht mal. :-D

Antwort auf: Gorean
Den Ukrainern kommt auch derzeit zugute das England und andere EU Staaten die Strafbarkeit des Kämpfens für ein fremdes Land aufgehoben haben und Veteranen erlauben im Krieg gegen die Russen in der Ukraine zu kämpfen.


Das Problem an der Sache ist: Werden die jeweiligen Länder dadurch zur Kriegspartei? Eigentlich sollten diese Länder sowas unterbinden und dürfen das auf keinen Fall fördern. Bin aber in Sachen Völkerrecht nicht gerade bewandert, daher mal der Artikel, aus dem ich das habe:

Zitat:
Am vergangenen Montag hat das lettische Parlament seinen Staatsbürgern erlaubt, als Freiwillige die Ukraine im Kampf gegen Russland zu unterstützen. Die beschlossenen Gesetzesänderungen sorgen dafür, dass solche freiwilligen Kämpfer nach ihrer Rückkehr nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Würden deutsche Staatsbürger in den Ukraine-Krieg ziehen, muss, so Völkerrechtsprofessor Thielbörger, unterschieden werden: "Aus der unerbetenen Teilnahme von Staatsbürgern an Kriegshandlungen kann für einen Staat jedenfalls keine Verantwortung resultieren", sagt er. Deutschland könne ja gar nicht kontrollieren, was alle seine Staatsbürger tun, wenn sie das Land verlassen haben.

Schwieriger sei es, wenn Deutschland die Teilnahme stillschweigend billige. "Aus meiner Sicht kann aber auch dies Deutschland noch nicht zur Konfliktpartei machen, solange Deutschland seine Bürger nicht dazu anweist, an den Feindseligkeiten teilzunehmen", so Thielbörger.

Man kenne ähnliche Diskussionen bisher eher aus Fällen, in denen sich deutsche Staatsbürger dem terroristischen IS angeschlossen haben. Auch das löse ja keine deutsche Verantwortlichkeit aus. "Das muss dann in Fällen, in denen sich Deutsche einer (ja grundsätzlich legalen) Verteidigungshandlung der Ukraine anschließen, erst recht gelten."

Völkerrechtsprofessor gegenüber der Tagesschau

Antwort auf: Seelenverbrannt
Aus diesen Gründen befürchte ich das es noch eine blutige Angelegenheit werden wird. Auf Dauer wird die Ukraine der russischen Aggression nicht standhalten. Es wird sich zu einem Guerillakrieg entwickeln, mit vielen Toten und Schwerstverletzten, unter Militäre ebenso wie Zivilisten.


Befürchte ich leider auch. Man darf sich da auch nichts vormachen. Einen Friedensvertrag, laut dem Putin die Truppen ohne Durchsetzung seiner Forderungen abzieht, wird es nicht geben, denke ich. Es muss ein Kompromiss her und dafür muss beiderseitig die Bereitschaft vorhanden sein, die eigenen Forderungen einzuschränken. Würde Putin sich mit der Krim, Donezk und Luhansk zufrieden geben und dafür der restlichen Ukraine volle Souveränität zusprechen, künftige Aggressionen ausschließen und dem Land freie Entscheidung über außenpolitische Angelegenheiten gewähren, dann hätte die Ukraine ihr Ziel (mit Gebietsverlusten) erreicht. Zumindest was Luhansk und Donezk betrifft, wollen meines Wissens nach die Bürger dort auch lieber der Russischen Förderation angehören. Warum also nicht? Nur wegen der Gebiete? Ich denke, Menschenleben sind wichtiger. Die Entmilitarisierung und die Absetzung der ukrainischen Regierung wird Putin wohl vertraglich nicht durchbekommen (deshalb ja auch der Krieg). Vielleicht rückt der Kompromiss näher, je länger der Krieg dauert und je mehr Druck bis dahin auf Putin von allen Seiten ausgeübt wird. Hätte dieser Mensch irgendwo noch ein Herz, dann wartet er zumindest nicht so lange.

Antwort auf: Seelenverbrannt
Grundsätzlich bin ich bei dem Ansatz nicht das russische Volk pauschal für die Tat, denn letztlich gab Putin den Angriffsbefehl auf seine Nachbarn, zu verurteilen.


Das sehe ich genauso. Deshalb war ich bemüht, Texte so zu verfassen, dass erkennbar Putin der Entscheidungsträger ist. In Russland wurde in rund 60 Städten protestiert und es gab viele Festnahmen. Inzwischen bewegt sich Russland immer mehr von einem autoritäten Regime in Richtung Diktatur. Es zeigt ganz klar, dass es viele Menschen in Russland gibt, die a) mit den Entscheidungen aus dem Kreml nicht einverstanden sind und b), die mutig genug sind, dagegen auch etwas zu sagen. Ich denke, es gibt auch viele, die sehen es genauso und trauen sich nicht, ihre Meinung öffentlich zu sagen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Bürger, die die Informationen aus dem Kreml glauben. In einem Video war ein russischer Bürger fest davon überzeugt, dass in der Ukraine tatsächlich Nazis in der Regierung sitzen. Unabhängig informiert hat dieser Bürger sich wohl kaum. Er hat einfach das geglaubt, was man ihm sagte. Umso besser finde ich es, dass Selenskyj die Kriegsgefangenen (viele junge Menschen) nach Hause nach Russland geschickt hat. Vor allem finde ich es traurig, dass es in Deutschland aktuell zu Übergriffen auf vermeintlich russisch-sprachige Menschen kommt. Wie dämlich ist denn bitte sowas? Selbst wenn es Russen sind, dann können die doch am wenigsten etwas für den Machthunger des russischen Diktators. In früherer Zeit wurde immer das Volk verantwortlich gemacht. Zumindest das muss man heute besser wissen. Selbst wenn ein russischer Bürger den Krieg befürwortet, dann tut er das allein wegen der Propaganda, der er erlegen ist. Aktionen gegen russisch-sprachige Bürger in Deutschland sind nicht nur dämlich, sondern auch respektlos und beschämend. Vor allem wenn man bedenkt, dass russische Staatsbürger in Russland ihre Freiheit und ihr Leben riskieren, wenn sie Putin den Stinkefinger zeigen und gegen den Krieg protestieren. Nicht einmal den russischen Soldaten kann man die Schuld geben. Die halten die Aktion in der Ukraine für eine Übung oder ein Manöver, wurden also ebenso von Putin belogen.

Antwort auf: Seelenverbrannt
Aus diesen Gründen befürchte ich das es noch eine blutige Angelegenheit werden wird. Auf Dauer wird die Ukraine der russischen Aggression nicht standhalten. Es wird sich zu einem Guerillakrieg entwickeln, mit vielen Toten und Schwerstverletzten, unter Militäre ebenso wie Zivilisten.


Putin kann diesen Krieg nicht gewinnen. Selbst wenn er die Ukraine in Schutt und Asche gebombt hat, dann hasst ihn der größte Teil des Volkes. Gleiches gilt für die von ihm dann integrierte Marionettenregierung. Deshalb gehen Experten auch von einem Bürgerkrieg in der Ukraine aus, wenn Putin es schaffen sollte und das Land unterwirft. Ich bin überzeugt davon, dass sich die Ukrainer mit Händen und Füßen wehren werden und sehe noch nicht, dass Putin das Land wirklich einnehmen wird. Die Geschichte zeigt, dass trotz bester Ausrüstung und trotz starker Überlegenheit ein Krieg nicht gewonnen werden kann. In jedem Fall wird es wohl zu einer Destabilisierung der Ukraine kommen (vergleichbar mit Syrien und dem Irak), in der lange Zeit keine Ruhe einkehren wird. Von einer Befreiung des Brudervolks, wie Putin es darstellt, kann also keine Rede sein und dessen ist er sich auch bewusst. Bejubeln werden ihn dort die wenigsten.

Antwort auf: tobo74
Antwort auf: its good


Er hatte die Entscheidung, wie er in die Geschichte eingehen möchte. Nach Gorbatschow hatte er die Möglichkeit, Russland weiter an den Westen anzunähern. So sprach er in deutscher Sprache im deutschen Bundestag und es war abzusehen, dass es zu dieser Annäherung kommen wird. Diese historische Annäherung wäre Russlands größter Beitrag zur Sicherheit in Europa gewesen



Ich glaube, hier liegt der große Fehler des Westens. Putin wollte anfangs die Annäherung, aber er wollte sie auf Augenhöhe. Und das haben wir ihm in einiger Überheblichkeit nicht zugestanden. Russland war 1991 völlig am Ende und Jelzin verkam immer mehr zur Witzfigur. Seien wir doch mal ehrlich... Russland und Weltpolitik, da haben wir doch zur Jahrtausendwende müde drüber gelächelt.
Am Ende hat man es auf allen Seiten an Feingefühl und Weitblick vermissen lassen.


Hätte er eine Annäherung und wohlmöglich eine NATO-Mitgliedschaft erreicht, dann könnten ihm Waffen auf europäischem Territorium egal sein, ebenso die NATO-Osterweiterung. Die Sicherheitsinteressen Russlands wären in jedem Fall gesichert gewesen, ebenso die der restlichen europäischen Staaten. Ich will aber nicht sagen, dass westliche Länder allein Schuld an diesem Desaster sind. So klingt es aber, wenn man von einem großen Fehler des Westens spricht. Der Fehler war, dass der Dialog nicht ausreichend stattfand und dafür waren sowohl Russland als auch westliche Länder verantwortlich. Er hätte beispielsweise auch nicht die Krim annektieren müssen. Dadurch hat er noch mehr Benzin ins Feuer gegossen. Nach den jüngsten Aussagen des chinesischen Verteidigungsministers ist das Bündnis zwischen Russland und China wohl weitreichender als gedacht. Russland wäre wichtig gewesen für die Sicherheit Europas und nun orientiert sich Russland zunehmend an China, was bedeutet, dass die Träume von einer Annäherung oder gar engen Beziehung zwischen Russland und dem Westen in weite Ferne gerückt sind. Das finde ich persönlich schade, denn meiner Meinung nach gehört Russland zu Europa, hat die europäische Geschichte maßgeblich geprägt und ist eng mit der Sicherheit Europas verknüpft. Und ich denke auch nicht, dass ein (irgendwann stattfindender) Regierungswechsel innerhalb Russlands großartig etwas ändern würde. Ich denke, Putins Nachfolger wird der werden, der seinen eigenen Ansichten am ehesten entspricht.

Der chinesische Außenminister Wang Yi soll gesagt haben:

Zitat:
Wie bedrohlich die internationale Lage auch sein mag, wir werden unsere strategische Ausrichtung beibehalten und die Entwicklung einer umfassenden Partnerschaft zwischen China und Russland in der neuen Ära voranbringen.


Da fragt man sich direkt, was die Partnerschaft zukünftig umfassen soll. Interessant ist auch, dass China von einer neuen Ära spricht und wohlmöglich schon fest davon überzeugt ist, dass Russland die Ukraine einnehmen wird. Mit neue Ära kann auch die völlige Abkehr Putins vom Westen und der Zuwendung gegenüber China gemeint sein. Ich denke, die Beziehungen zu Russland können kaum noch repariert werden. Putin hat seinen Partner gefunden. Wie beschrieben kommt Russland hinsichtlich der Sicherheit Europas eine Schlüsselrolle zu, die Putin nicht mehr einnehmen will - Chance unsererseits verpasst. Wie man hier gut erkennen kann, gab es diese Chance.

Möglicherweise hat der Westen in Bezug auf die Beziehungen zu Russland einige Fehler gemacht, der Krieg in der Ukraine ist aber auf jeden Fall Putins Schuld. Ganz gleich, wer nun wann und in welcher Situation Fehler machte, austragen müssen das nun die Bürger in der Ukraine und das tut mir unfassbar leid. Politische Sicherheitsfragen werden mittels Gewalt wieder einmal auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen und das dürfte in unserem Jahrhundert eigentlich gar nicht mehr möglich/denkbar sein. So weit hergeholt waren die aktuellen Ereignisse auch nicht. Ich frage mich langsam wirklich, ob die erfahrenen und oberklugen Politiker diese Ereignisse nicht schon lange im Voraus hätten vorhersehen können. Dass Russland trotz des Zerfalls der Sowjetunion noch immer altmodisch in Ost und West denkt und sich immer noch als Gegenspieler des Westens versteht war ja nun nicht gerade neu, ebenso Putins Kritik an militärischen Bündnissen an den Grenzen Russlands. Die Zeichen waren da und man hat sie einfach verpennt. Das Einzige, was man nicht hätte voraussehen können, ist seine Bereitschaft zu einer solchen Aggression, aber mit der hätte man zumindest rechnen können.
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Wer sich in einer Diskussion auf seine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern das Gedächtnis.
Leonardo da Vinci (1452-1519)