Wie ich sehe haben wir hier weitere next-level-Frauenversteher hier im Thread. Sie wissen auch super Bescheid, was Frauen kaufen werden. Wunderbar...

Es gibt für mich mehrere Punkte, wieso das ein Produkt ist, das nicht mal mehr den guten Willen erfüllt.
Grundsätzlich finde ich es super, dass Männer hergehen und etwas entwickeln wollen für Frauen. Es wär halt nur gut, wenn man sich mit den Grundproblemen der Frau und nicht des Mannes befassen würde. Zwar wurde behaupet, es wären Frauen im Prozess eingebunden worden, aber dass da nicht eine Mal gesagt hat, dass das in die falsche Richtung läuft..

Bei mir war der Sack schon zu, als es hieß, sie wären in eine Frauen WG gezogen und dort kam ihnen die Idee beim öffnen des Mülleimers im Bad. Wie können Frauen in ihrem Zuhause auch einfach menstruieren und Müll hinterlassen? Da muss die Lösung her, denn Müll müffelt nach ein paar Tagen und ab und zu sifft auch was durch.
Lösung: Müll ausleeren. Jeder Hausmüll müffelt und überall suppt sich was durch und ist nicht mehr appetitlich. Da muss man nicht so tun als würden Frauen bewusst ekligen Müll hinterlassen, weil sie nun mal dazu verdammt sind zu bluten. Hier wollte ein Mann einfach nur sein eigenes Problem bewältigen, in dem er ein "diskretes" und vor allem "geruchsfreies" Produkt entwickelt.
Aber es wird trotzdem investiert, nachdem die beiden sagten, sie wären ja verheiratet und wüssten ja Bescheid. Ihre Frauen würden das Produkt auch lieben. Na klasse. Sie kennen jeweils eine Frau in ihrem Leben näher. Das ist in etwa so als würde Friedrich Merz sagen, er hat nichts gegen Frauen, er ist ja mit einer verheiratet (ups, hat er ja schon). Es bringt einfach keine Aussage auf die man bauen kann.

Ich würde den Gedanken ja verstehen als reines Produkt für unterwegs, für besondere Anlässe ohne Zugang zu einem WC. Insgesamt aber wurde es schon so verkauft als müsse man das wo man geht und steht benutzen, damit niemand mitkriegt, dass man menstruiert. Das eigene Bad eingeschlossen. Geht gar nicht.
Natürlich kommt es vor, dass man Entsorgungsprobleme haben kann unterwegs, bin mir aber sicher jede Frau hat hier ihre Wege bereits gefunden. Soweit ich weiß gibt es sogar schon eine Art Beutel zur Entsorgung in Drogerien zu kaufen. Die Idee ist also nicht neu.

Wozu brauche ich also einen Handschuh, der nur wieder mehr Müll produziert? Man versucht seit Jahren weniger Müll zu machen, weniger Wegwerfprodukte. Dafür gibts inzwischen Periodenwäsche, Menstruationstassen etc. um auf dem Markt mehr Möglichkeiten zu bieten. Der Ansatz ist also dahingehend einfach schon mal verkehrt. Der Handschuh impliziert auch, als könne frau sich nicht ordnungsgemäß unten rum berühren, sie könnte sich selber ekeln oder selbst nicht drauf kommen, sich vorher die Hände zu waschen und danach. Wollte sie Handschuhe benutzen, hätte sie das längst getan, denn Einweghandschuhe für einen winzigen Anteil dieses Produktpreises gibts in jedem Supermarkt. Und dass er pink ist, ist einfach der sexistische Supergau, da es zum einen wieder nur ein Klischee bedient und es nicht nur mensturierende Frauen gibt.

Man sollte vielmehr das echte Problem an der Wurzel packen: Öffentliche Toiletten, Toiletten auf der Arbeit, in Schulen mit ausreichend Mülleimern in allen Kabinen und meinetwegen auch mit kleinen Beuteln versorgen (die gibts ja eigentlich auch bereits in vielen, es ist nur ausbaufähig). Genauso die Ausstattung mit diversen Produkten, da es schon mal vorkommen kann, dass man überrascht wird und ggf. nichts einstecken hat. Das sind viel eher die Probleme, als ein diskreter Entsorgungswunsch. Es zählt einfach genauso als ein Grundbedürfnis.

Natürlich wird es sicher die ein oder andere Frau geben, die genauso wenig möchte, dass jemand mitbekommt, dass man gerade menstruiert. Das ist dann aber IHRE Sache und nicht die des Mannes. Und man sollte nicht eingeredet bekommen als bräuchte man so ein Produkt im Alltag, um niemanden mit seinem Blut zu stören.

Gerne dürfen sich Männer weiter mit Frauenproblemen beschäftigen, wir würden uns sehr darüber freuen. Es sollte nur einfach bedacht werden, dass es unterschiedliche Bedürfnisse gibt und unterschiedliche Emotionen und jeder anders mit seiner Periode umgeht. Etwas mehr Offenheit und ernsthaftes Interesse an den Aussagen dazu wäre halt wünschenswert, nicht nur die Dinge die man selber gern hätte.
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We are not your kind.