Allein die Vorstellung, einem Problem wie sexueller Belästigung Minderjähriger mit einem automatistischem Filtersystem beikommen zu wollen, ist schier grotesk und mutet für mich leider sehr nach einer Alibihandlung an, mit der man sich von der persönlichen Verantwortung zu lösen versucht und diese auf eine Maschine verschiebt. Netter Versuch, aber es scheint doch sehr gravierende Umsetzungsprobleme zu geben - was jedoch bei einem so sensiblen, immer auf den Einzelfall abzustimmenden Phänomen zu erwarten war. Allein die Möglichkeit, dass jemand eine sexuelle Nötigung aufgrund eines Wortfilters angelastet wird und derjenige dann nachweisen muss, dass dies nicht der Fall ist, deckt sich zudem in keiner Weise mit meinem Rechts- und Gerechtigkeitsverständnis. Ich jedenfalls meide seit Einführung dieses Programms das flüsternde Gespräch mit Minderjährigen, nicht etwa weil dessen Inhalte anstößig wären, sondern ausschließlich, um der Gefahr einer maschinellen Fehlverurteilung aufgrund irgendwelcher Fehldeutungen - wie "gut" hier in diesem Chat Wortfilter funktionieren und wie schnell aus einer harmlosen Begrüßung ein zu ahndendes Badword wird, kann man an den zigfachen Fehlmutes erkennen, denen man hier so begegnet - vorzubeugen, von der - man kennt das ja - immer - wie ungerechtfertigt es auch im Einzelfall sein mag - etwas hängen bleibt.

Fazit: Man kann seine persönliche Zuständigkeit nicht in allen Bereichen auf maschinelle und zudem vollkommen unausgegorene Systeme übertragen, auch wenn dies vieles leichter machen würde. Wo Menschen auf Menschen treffen, bedarf es eben doch einer menschlichen Beurteilungsinstanz des Einzelfalls. Eigentlich beruhigend, aber eben ein wenig mühselig. Doch welchem Betreiber wirklich dran gelegen ist, der wird sich sicher auch darum kümmern.

Quordelplien


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"In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik am anderen." (Christian Morgenstern)