Huhu. :-)

Endlich mal ein sehr interessanter Austausch-Thread!

Ich habe zu Abi- und Studienzeiten im kaufmännischen Bereich gearbeitet, vorwiegend Call Center-Tätigkeiten, aber auch im Marketing.

Wenn es nur um eine Nebentätigkeit geht, ist dagegen wirklich nichts einzuwenden. Was den Verdienst angeht, war ich immer über dem Mindestlohn. Es ist keine anspruchsvolle Tätigkeit, da man meistens in einem Großraumbüro vor dem Computer sitzt und währenddessen gemütlich Kaffee trinken kann. Die Arbeit ist absolut nicht vergleichbar mit dem Stress an der Kasse und wenn man die richtigen Projekte auswählt, ist es auch keine Fließbandarbeit mehr, da viel Individualität einkehrt und die Aufgaben abwechslungsreich sind. Die einzige Anstrengung, der man sich aussetzen muss, ist die Schichtarbeit, die in dieser Branche normal ist.

Abraten kann ich vom reinen Vertrieb. Erwartet wird, dass man Senioren weit über 60 Jahren unbedingt noch den siebten Vertrag aufschwätzt, in dem Wissen, dass sie diesen nicht benötigen. Geworben wird immer mit den ach so tollen Provisionen, deren Höchstmaß aber auch wirklich nur von skrupellosen Top-Verkäufern erreicht wird. Dem Arbeitnehmer gegenüber wird Druck aufgebaut, egal wie gut er sich macht. Wurden die Ziele erreicht, so erwartet man noch mehr Einsatz vom Arbeitnehmer bei vergleichsweise geringem Gehalt. Zu guter Letzt muss ich auch sagen, dass es nicht jedermanns Sache ist, viel Monotonie beherbergt und nicht gerade viel Spaß macht.

Außerdem halten sich viele Betriebe nicht an vorgeschriebene Richtinien. Dies betrifft beispielsweise den Punkt Datenschutz. Ab einem Mitarbeiterstab von zehn Mitarbeitern muss der Betrieb einen eigenen Datenschutzbeauftragten haben, was jedoch oft nicht der Fall ist. Die Seriösität lässt sich also auch am Umgang mit dem Thema Datenschutz erkennen. Gleiches gilt für die Bildschirmarbeitsunterbrechung. Stündlich hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine Bildschirmarbeitsunterbrechung zu gewähren. Diesem kann dann eine kurze Pause eingeräumt werden oder ihm wird eine andere Tätigkeit zugewiesen. Dennoch sieht man viel zu oft, dass Mitarbeiter oft pausenlos über Stunden vor dem Bildschirm sitzen. In den Stellenausschreibungen sollte man immer auf die zusätzlichen Angebote schauen, denn es gibt durchaus Betriebe, die den Mitarbeiter unterstützen möchten und denen die Gesundheit der Mitarbeiter am Herzen liegt.

Auch den Ablauf des Bewerbungsverfahrens sollte man sich genauer ansehen. Persönliche Gespräche sind sehr selten, oft werden Bewerberrunden mit mehreren Bewerbern durchgeführt. Die meisten von ihnen erhalten dann auch eine Anstellung. Die Tätigkeit wird einem näher erklärt, eventuelle Software, die einem bei der Arbeit unterstützt, wird vermittelt und auch für Neulinge in diesem Bereich gibt es Kommunikationshilfen. Auch daran erkennt man, wie seriös der Betrieb ist. Dass die Tätigkeit von beinahe jedem ausgeführt werden kann, erkennt man daran, dass es sogar Arbeitgeber gibt, die nicht einmal mehr Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse) vom Bewerber haben möchten. Dies spricht für eine sehr hohe Mitarbeiterfluktuation, die ganz sicher Gründe hat und die oft mit negativen Erfahrungen mit dem Unternehmen einhergeht.

Wer lange genug diese Tätigkeit ausgeführt hat, kann den Berufsabschluss bei der IHK direkt mitnehmen, da eine Anmeldung zur Prüfung dann möglich ist. Die Betriebe bereiten auch gerne darauf vor. Ich habe es damals abgelehnt, da ich in diesem Berufsfeld absolut keine Perspektiven sehe. Meine damalige Freundin hat diese Ausbildung gemacht und das gleiche Gehalt verdient wie ich damals und auch die selben Tätigkeiten ausgeübt.

Natürlich wird man versuchen, deutlich mehr abzuverlangen. Da muss der Arbeitnehmer selber wissen, wie viel er in seine Nebentätigkeit investieren möchte. Grundsätzlich galt für mich immer: Studium und Schule gehen vor. Hierfür sollte der Arbeitgeber Verständnis haben.

Zusammengefasst: Es zahlt die Miete, die Brötchen und man kann sich öfter mal etwas gönnen. Die Tätigkeit an sich hängt stark von den Projekten des Betriebs ab, die Seriösität lässt sich bereits im Bewerbungsverfahren erkennen und es gibt viele Gleichgesinnte, denn die wenigsten planen, länger in diesem Beruf zu bleiben. Eine zukunftssichere Perspektive sehe ich hier nicht. Wer jedoch noch nie gearbeitet hat, kann hier eine Menge Erfahrungen sammeln und das Arbeitsleben im Allgemeinen kennenlernen.

Nachhilfe ist als Nebentätigkeit sicher auch sinnvoll, aber ein fester Arbeitsvertrag bietet schon deutlich mehr Sicherheit. Viele kleinere Tätigkeiten findet man auch mittlerweile in den eBay-Kleinnzeigen, die unter anderem praktisch während der Ferienzeiten sind.

Grüße


Bearbeitet von its good (21.06.2019, 08:12:38)
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