Antwort auf: Kev777
Also deiner Argumentation nach ist also die ukrainische Regierung rückständig in ihrem Denken, sonst würden sie ja auch Frauen ''an die Front'' schicken.
Aber ich vermute der eine oder andere dort hat einfach in der Schule aufgepasst und weiß das für das gesellschaftliche überleben Frauen deutlich wichtiger sind als Männer. Das ist Biologie und keine Meinung, nur so als Hinweis.


Dein gesamter Beitrag zeigt einmal wieder, dass du meinen offenbar nicht richtig gelesen oder nicht verstanden hast. Wie bekannt ist, melden sich sogar ukrainische Frauen für den Dienst an der Waffe und ziehen in der Ukraine an die Front. Sie würden diese Frauen also nicht an die Front schicken, sie tun es - wie auch die Männer. Ebenso gab und gibt es kurdische Kämpferinnen. Es greifen also Frauen und Männer zur Waffe. Und ja, es ist rückständig, den Männern die Ausreise zu verbieten, den Frauen aber zu erlauben. Und auf eine absurde Diskussion darüber, welches Geschlecht nun für das gesellschaftliche Überleben wichtiger sei, habe ich keine Lust. Zum Glück verstehe ich genug von Biologie, um diese Behauptung widerlegen zu können, und habe in der Schule sogar sehr gut aufgepasst.

Antwort auf: tobo74
Angst vor der NATO? Schwachsinn³
Wir sehen ja, wie schwer sich die NATO tut, einzugreifen, selbst wenn sie ausdrücklich von einer widerrechtlich angegriffenen Nation drum gebeten wird. Da ist es sehr sehr weit hergeholt, davon auszugehen, dass eine Bedrohung durch die NATO akut war und ist.


So einfach würde ich das nicht sehen. Jens Stoltenberg begründet beispielsweise die Absage der von der Ukraine geforderten Flugverbotszone eher damit, dass man eine weitere Eskalation befürchte. Genauso sieht es bei der von Polen geforderten Friedensmission aus. Hingegen liest man weniger das Argument, dass die Ukraine kein NATO-Mitglied ist. Wäre statt Russland ein anderes Land der Aggressor, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass die NATO sich einmischen würde. Was sollte auch dagegen sprechen? Begründen könnte man es immer. So wie ich das sehe liegt es eher daran, dass es um Russland geht, Russland eine Atommacht ist und man, wie ebenfalls ständig erwähnt wird, einen globalen Krieg verhindern möchte. Eine bekannte Einmischung dieser Art seitens der NATO wäre der Kosovokrieg:

Zitat:
Die NATO führte ihre militärische Intervention ohne UN-Mandat aus, trug jedoch zur Legitimation Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen durch jugoslawische Sicherheitskräfte gegen die Zivilbevölkerung in der mehrheitlich von Albanern besiedelten serbischen Provinz Kosovo vor.

Wikipedia

Sie trug zur Legitimation Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen vor. Eine Begründung findet man immer. Einen Bündnisfall gab es damals auch nicht und es war sogar eine Bodenoffensive geplant. Menschenrechtsverletzungen finden in der Ukraine ebenso statt. Die Ausgangslage ähnelt sich also sehr stark. Nur diesmal spielt Russland mit. In meinen Augen stellt die drohende Eskalation den einzigen Grund dafür dar, dass sich die NATO nicht einmischt. Es hat also wenig damit zu tun, dass sich die NATO schwer damit tut, was eher danach klingt, als bestünden moralische Zweifel. Die Abschreckung zeigt Wirkung, mehr nicht.

Die Welt hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten verändert, Putin hingegen lebt offenbar noch in einer anderen Zeit. In dieser Zeit war es absolut üblich, dass auch die USA mit vorgeschobenen und erfundenen Gründen einen Einmarsch in ein anderes Land rechtfertigten (z. B. Irak und Vietnam). Die NATO beruft sich stets darauf, dass sie ein Verteidigungsbündnis sei. Trotzdem ist es ein großer Gegner und als Außenstehender ist es dann auch nur logisch, diesem skeptisch gegenüber zu stehen. Und dann gab es ja noch den Kosovokrieg. Man fragt sich dann doch, ob die NATO wirklich nur ein Verteidigungsbündnis im Fall eines Angriffs gegen einen Mitgliedstaat darstellt oder zusätzlich noch Einfluss auf andere Staaten nehmen will. Seine Angst vor einer NATO, die an der Haustür Russlands steht, ist also ein Stück weit nachvollziehbar. Bis dahin hatte ich Putin sogar noch verstanden und ich fand es auch legitim, dass er das nicht einfach so hinnehmen wollte. Diplomatie war der richtige Weg. Erst mit dem Beginn der Gewalt war der Typ absolut nicht mehr zu verstehen. Allein schon deshalb nicht, weil er dadurch das Gegenteil erreicht hat: Eine Aufrüstung innerhalb Europas und NATO-Truppen vor seiner Tür. So unwahrscheinlich war das gar nicht, wenn er über die möglichen Konsequenzen seiner Invasion im Vorfeld nachgedacht haben sollte.

Entweder stellt die NATO ein Verteidigungsbündnis der Mitgliedstaaten dar oder eine Schutzmacht für die Mitgliedstaaten und andere, die eine ähnliche Politik verfolgen. Die Geschichte zeigt, dass die NATO sich da wohl noch nicht so ganz festgelegt hat. Der Bündnisfall ist im Artikel 5 des Nordatlantikvertrags klar für den Verteidigungsfall definiert. Von Einflussnahme a la Flugverbotszonen zum Schutz anderer Staaten, Friedensmissionen wie sie Polen fordert oder den Luftangriff im Kosovokrieg steht darin nichts. Das geht meiner Einschätzung nach schon weit über das Thema Verteidigung hinaus und erfüllt eher den Zweck einer Schutzmacht, die selber beschließt, wo man sich einmischt. Das Traurige daran ist, dass mir das bekannt vorkommt, wenn ich in Richtung USA schiele und es recht gut aufzeigt, wer in der NATO wirklich den Kurs angibt. Insgesamt finde ich das Thema Bündnis auch viel zu komplex, um es in 14 Artikel zu verpacken (in den Knuddels AGB steht mehr Inhalt), und man darf sagen, dass das Bündnis recht viel Spielraum hat.


Bearbeitet von its good (28.03.2022, 13:15:33)
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Wer sich in einer Diskussion auf seine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern das Gedächtnis.
Leonardo da Vinci (1452-1519)