Recht gebe ich dir insoweit, dass man es kaum vermeiden kann, in der öffentlichen Debatte Meinung zu machen. Und es wäre naiv zu glauben, dass man nicht manipuliert wird. Das erkennt man ja auch wunderbar an der Werbung. Werbeclips für den Vertrieb eines neuen Autos werden bewusst so gestaltet, dass sie das Gefühl von Freiheit vermitteln. Emotionen spielen dabei eine große Rolle und bei Propaganda ist das nicht anders. Es stellt aber in meinen Augen einen gewaltigen Unterschied dar, ob politische Meinungsmache auf demokratischen, freiheitlichen und vor allem gewaltfreien Grundsätzen fußt oder, ob diese Gewalt zur Erreichung von Zielen legitimiert. Es gibt erkennbare Unterschiede, weshalb es etwas zu einfach gedacht wäre, Propaganda und all ihre Formen gleichzusetzen, wonach dein Beitrag aber klingt. Facebook/Meta erlaubt als Konzern Gewaltaufrufe und überschreitet meiner Meinung nach eine Grenze damit.

Antwort auf: tobo74
Auf allen Kanälen... man müsste theoretisch den Fernseher zu Hause abschaffen wegen Propaganda.


Wenn man sich vor Beeinflussung aller Art schützen möchte (natürlich ist keiner hier manipulierbar...), dann hilft es nur, sich komplett aus der digitalen Welt zu verabschieden, alle Informationskanäle abzulegen, die eigene Postanschrift aufzugeben, sich von Städten und Werbeschildern aller Art fernzuhalten und soziale (natürlich auch asoziale) Kontakte unterbinden. Dann ist man zumindest zukünftig vor weiterer Beeinflussung geschützt. Die eigene Meinung aber hat man sich im Laufe der Jahre aufgrund vieler Informationen gebildet, weshalb man dann trotzdem nicht von Neutralität sprechen kann. Letztendlich wäre man dann auch ziemlich einsam und auf Dauer wohl unglücklich.

Es ist also praktisch unvermeidbar, dass man mit Propaganda aller Art konfrontiert wird. Zumindest sollten die Grenzen aber klar sein und diese lässt dieser Konzern vermissen.

Antwort auf: Kipo14
Was ich traurig finde ist, dass mittlerweile immer mehr russischstämmige Menschen in Deutschland Opfer von Drangsalierungen oder Übergriffen werden.


Jeder, der die russische Bevölkerung dafür mitverantwortlich macht, ist in der heutigen Zeit noch nicht angekommen. Kein Bürger der Ukraine oder der Russischen Föderation konnte mit entscheiden, ob es zu diesem Krieg kommt oder nicht, auch nicht mit zusätzlicher deutscher Staatsangehörigkeit. Demnach kann man auch keinen aus der jeweiligen Bevölkerung in die Verantwortung ziehen. Es gibt Stimmen, die sagen, dass es durchaus in Ordnung ist, die Menschen in Russland mit dafür verantwortlich zu machen, weil sie diese Regierung ja unterstützen. Auch das sehe ich anders. Diese Menschen müssen, wenn sie uneingeschränkt ihr Leben leben wollen, dem Kurs der Regierung folgen. Sind sie also zumindest im Privaten anderer Meinung, so werden viele einen Teufel tun und öffentlich angeben, dass sie mit dem Kurs Putins nicht einverstanden sind. Vereinzelte sind trotzdem mutig genug und tun es, und das sind vergleichsweise verdammt viele. Russland verwandelt sich immer mehr in eine Diktatur und wir in Deutschland sollten wissen, was das für Russland bedeutet - wir haben zwei Diktaturen hinter uns.

Die Menschen in Russland verdienen keinerlei Anfeindung, sondern Lob und Stolz seitens der restlichen Europäer. Und jeder, der Gewalt gegenüber diesen Menschen befürwortet, sollte sich selber mal fragen, ob er persönlich Schuld am Krieg wäre, wenn Deutschland mit Angabe schwammiger Gründe ein anderes Land angreift. Deutschland trägt die kollektive Schuld am zweiten Weltkrieg, meine Geburt aber war damals noch nicht einmal Thema. Gewalt mir gegenüber aufgrund der Schuld am zweiten Weltkrieg wäre also ebenso absurd, wie Gewalt gegenüber Menschen in Russland aufgrund des Angriffskriegs in der Ukraine.
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Wer sich in einer Diskussion auf seine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern das Gedächtnis.
Leonardo da Vinci (1452-1519)