Antwort auf: tobo74
Und natürlich weiß man auch nicht, was in Putins Kopf so in seinem ganzen Leben so vorging. Da bist du als Kind in Leningrad aufm Hinterhof derjenige, der beim Bolzen entscheidet, wer ins Tor muss, willst schön Karriere beim KGB machen und die schicken dich in nen Plattenbau in Dresden, musst dort miterleben, wie die undankbaren Ostdeutschen meinen, so ne Mauer ist blöd und dann fällt auch noch die Sowjetunion auseinander.
Wenn damals schon der Gedanke reifte, irgendwann hol ich die Ukraine "heim ins Reich", dann hätten wir die heutige Situation vielleicht nie verhindern können.


Putin soll folgendes gesagt haben:

Zitat:
Wer die Sowjetunion nicht vermisst, hat kein Herz. Wer sie sich zurückwünscht, keinen Verstand.


So viel dazu.

Antwort auf: tobo74
Im "Scharf Verurteilen" sind wir allerdings spitze.


Natürlich wäre mehr schöner, aber welche Möglichkeiten hat man denn groß, wenn man einen größeren Krieg verhindern möchte? Mehr Spielraum als Waffenlieferungen, Wirtschaftssanktionen und Diplomatieaufforderungen sehe ich da auch nicht. Es muss vermieden werden, dass NATO-Staaten (zumindest mit eigenem Militär) in den Krieg hineingezogen werden. Ich denke, in vielen keimt der Wunsch, dass man die Ukraine darüber hinaus unterstützt. Das erkennt man auch daran, dass viele Menschen freiwillig in die Ukraine reisen und diese unterstützen wollen. Ich kann verstehen, dass man nicht tatenlos zusehen will. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch damit auseinandersetzen, ob man wirklich einen globalen Konflikt riskieren will, der nur noch mehr Leid und Todesopfer bedeuten würde (dass ich mal Sigmar Gabriel zustimmen würde...). Dann bewegt man sich in die Richtung, in die Putin geht: Gewalt. Auch wenn es ihm egal ist, ob er Menschen in den Tod schickt, so sollte es zumindest uns nicht egal sein. Man spricht immer von der moralischen Überlegenheit des Westens. Der Westen sind aber auch diejenigen, die sich für Menschenrechte einsetzen und diese achten - zumindest weitestgehend. Auch wenn es trotzdem zu Kriegsverbrechen kommt (man denke an Chelsea Manning), so existiert trotzdem der Wille, die Menschenrechte einzuhalten.

Präsident Selenskyj hat die Absicht angedeutet, auf die NATO-Mitgliedschaft zu verzichten. Putin hätte damit sein Ziel erreicht. Dafür muss er die Neutralität der Ukraine anerkennen. Die Zeit wird zeigen, ob Putin auf dieses Angebot eingehen wird. So wie ich ihn einschätze, wird er gierig weitere Forderungen durchsetzen wollen. Ein Angebot signalisiert immer auch die Bereitschaft etwas aufzugeben. Außerdem geht Russland so langsam das Geld aus. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie er den Krieg langfristig weiter finanzieren und gleichzeitig die russische Wirtschaft stabil halten will. Je länger es dauert, desto schwerwiegender werden die Konsequenzen für Russland. Mir tun die Bürger dort leid. In einem Bericht sagte ein ukrainischer Soldat, dass er sogar dazu bereit wäre, seinen eigenen Vater in diesem sinnlosen Krieg umzubringen (der Vater kämpft für die andere Seite). Bewegend finde ich auch dieses Video. Darin äußert ein unkenntlich gemachter russischer Soldat, dass er nicht wusste, dass er in den Krieg geschickt wird. Er glaubte sich in einer Übung zu befinden und nach dem Grenzübertritt merkte er erst, dass er sich in der Ukraine befindet. Gestern sprach Selenskyj während einer Pressekonferenz davon, dass das russische Militär Krematorien mitbrachte, um die Anzahl russischer Todesopfer zu verschweigen. Artikel dazu gibt es im Internet einige, z. B. hier oder hier. Das wäre ein Albtraum. Nicht nur, dass diese Menschen nicht einmal wissen, dass sie in den Krieg ziehen müssen, ihr Brudervolk umbringen und in ihrem Land die Wahrheit verschwiegen wird, vermutlich bekommen sie nicht einmal ein anständiges Begräbnis und die Angehörigen erfahren nicht, was passiert ist. Egal ob Putinbefürworter oder nicht, das kann kein Bürger in Russland gut finden. Die Wahrheit findet ohnehin ihren Weg, da hätte Putin auch gleich ehrlich sein können. Der Erlass neuer Gesetze zur weiteren Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Medien brachte ihm, wie man augenscheinlich erkennen kann, herzlich wenig. Und dann kommen noch die ganzen Einschränkungen hinzu, die dem russischen Volk den Austausch mit der Welt verbieten sollen. Dann die Sanktionen, die dem Volk das Geld aus der Tasche ziehen. Gäbe es eine Skala zur Darstellung des Machtgehabes von Diktatoren und dessen Auswirkungen auf die eigene Bevölkerung, dann würde Putin meiner Meinung nach inzwischen in der obersten Liga mitspielen.

Der Mann muss begreifen, dass er sich auf einem Irrweg befindet.
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Wer sich in einer Diskussion auf seine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern das Gedächtnis.
Leonardo da Vinci (1452-1519)