Mein Mitgefühl gilt allen Menschen, egal welcher Front, die in diesem sinnlosen Konflikt ihr Leben lassen. Sinnlos deshalb, weil es hier altmodisch um beschissene Grenzen früherer Tage geht. Putin argumentiert damit, dass die Ukraine ein untrennlicher Teil russischer Geschichte ist. Seiner Logik nach bringt seine Armee also gerade die eigenen Landsleute um, was beschämend für einen Präsidenten ist. Laut Tagesschau (Angaben wurden nicht bestätigt!) gab es Dutzende zivile Opfer, darunter zwei Kinder, die für seine Expansionspolitik starben. Stimmt es, dann waren es Kriegsverbrechen, die Putin zu verantworten hat. Zivilisten genießen laut Völkerrecht, das ihn ja so gar nicht interessiert, besonderen Schutz vor den Gefahren des Krieges. Putins Argumentation über die NATO-Osterweiterung kann man teilweise verstehen. Es ist auch verständlich, wenn er sich bedroht fühlt, da zwischen ihm und der NATO nur noch die Ukraine und Belarus sind. Alle anderen sind Mitglieder der NATO. Das muss aber diplomatisch gelöst werden. Nichts davon rechtfertigt und entschuldigt sein jetziges Vorgehen und den Käse mit dem Genozid kaufe ich ihm nicht ab. Selensky mag sicher nicht der beste Präsident sein, aber rechtsradikal ist er nicht.

Wie argumentierte Putin noch? "Ein Land darf seine Sicherheit nicht auf Kosten anderer Länder durchsetzen" - Was tut er gerade? Angeblich geht es ihm doch um die Sicherheitsinteressen seines Landes (soweit habe ich ihn noch verstehen können, als die Diplomatie noch lief). Die setzt er nun wider seiner eigenen Argumente auf Kosten der Ukraine und der restlichen europäischen Länder durch. In meinen Augen dreht er Dinge so, wie sie ihm gerade passen. Letztendlich darf man auch nicht vergessen, dass seitens der NATO nie eine Aggression gegenüber Russland gezeigt wurde.

Ich finde es hingegen gut, dass Deutschland keine Waffen in dieses Gebiet schickt. Diese Entscheidung habe ich im Hinblick auf die Geschichte Europas sehr befürwortet. Die Politiker der einzelnen Nationen müssen sehr genau überlegen, wie sie nun vorgehen. Ein falscher Schritt kann einen globalen Konflikt auslösen, den wahrlich niemand will. Trotzdem muss Putin massiv unter Druck gesetzt werden, damit er nicht noch andere ehemalige Sowjetrepubliken angreift (die sind nämlich fast alle Mitglieder der NATO). Selensky hatte in der Ukraine zum Widerstand aufgerufen. Das kann ich solange verstehen, bis die Familien als Flüchtlinge das Land verlassen haben. Ich hoffe, er wird nicht bis zum letzten Mann durchhalten wollen, denn so sterben nur unnötig viele Menschen. Die Übernahme durch Russland wird er meiner Meinung nach nicht verhindern können, wenn Putin das ganze Land einnehmen will. Das Leben der Menschen ist wichtiger als irgendwelche Grenzen und Gebiete. Dann muss er halt mit der weißen Fahne wedeln.

Zitat:
Lehrt uns die Geschichte daher nicht, lieber frühzeitig anzugreifen wenn Staaten Angriffskriege führen?


Nein, die Geschichte lehrt uns, dass es im Krieg nur Verlierer gibt und sowas um jeden Preis vermieden werden muss. Aber, wie wir sehen, haben so manche diesen Teil der Geschichte nicht verstanden (nein, ich schiele nun nicht in Richtung Moskau).

Zitat:
Glaubt ihr Putin wird Ruhe geben wenn er sich die Ukraine einverleibt hat?


Schwer zu sagen. Die Ostflanke der NATO rüstet ja gerade ordentlich auf. Auch nach Deutschland werden 7000 Amerikaner versetzt. Er weiß, dass die NATO kaum einsatzbereit ist. Vielleicht will er die Gunst der Stunde nutzen und den geforderten NATO-Stand 1997 mit Gewalt wieder einführen? Das würde bedeuten, dass der NATO-Beitritt von 14 der 30 Mitgliedsstaaten rückgängig gemacht werden müsste. Mit Gesprächen wird er das wohl nicht erreichen. Aber lieber nimmt man diplomatisch eine Einigung über Austrittsvereinbarungen in Kauf als eine globale Eskalation oder? Vielleicht setzt er darauf sogar. Wenn er genügend Druck auf Ost-Europa ausübt, dass die zwecks Deeskalation freiwillig aus der NATO austreten.

Und zum Thema Gaspreise: Die sind mir gerade ehrlich gesagt scheiß egal. Biden hat an die amerikanischen Firmen appeliert, die steigenden Preise nicht für eigene Preissteigerungen zu nutzen. Mal so sehen, wie solidarisch die Menschen diesmal sind.
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Wer sich in einer Diskussion auf seine Autorität beruft, gebraucht nicht den Verstand, sondern das Gedächtnis.
Leonardo da Vinci (1452-1519)