Hola,

anlässlich des aktuellen neunten Films von Quentin Tarantino wollte ich mal einen allgemeinen Thread über ihn lostreten. Es ist mir hier mal wichtig zu wissen, was andere Menschen von ihm und seinen Filmen halten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder Film trifft eine bestimmte Kernaussage, Fake-History wird betrieben. Dabei sind sie inszenatorisch brillant und unglaublich unterhaltsam, wenn man denn mal auf den Geschmack gekommen ist. Als jahrelanger Filmfan und mehreren tausend gesehenen Filmen ist es immer wieder ein Highlight für mich seit knapp 10 Jahren, wenn der Meister selbst zur Tat schreitet und immer wieder einen hochkarätigen Cast zusammentrommelt. Jedes Mal ein Erlebnis, wie wenn man sich im Louvre Gemälde von Malern wie Picasso oder Da Vinci anschaut. So auch für mich im August, als Once Upon a Time in Hollywood endlich in die Kinos kam.

Wie auch bei den anderen Filmen war ich auch hier absolut fasziniert von Quentins Einfallsreichtum. Ja, es wirkt wie ein Best of seiner Filmografie, der Film lässt sich auch lange Zeit. Diese zwei Dinge waren die meistgelesensten Kritikpunkte anderer Leute auf diversen Seiten. Aber ich mag das persönlich. Es braucht nicht immer CGI und Effekte, dauerhafte Action und minutenweise Explosionen. Immerhin baut man dadurch eine gewisse Beziehung zu den Figuren auf und mit den drei Hauptfiguren nun ist das mal wieder komplett gelungen.

Wie auch bei den vergangenen Werken sind auch hier wieder diverse Referenzen und Anspielungen innerhalb seiner eigenen Filmografie zu finden. Sei es über Rollennamen, Objekte oder Fake-Produkte, Kameraeinstellungen oder Dialoge. Das ganze wirkt wie ein verstecktes Filmuniversum oder Franchise. Wenn ein Film um 1860 spielt und einer um 1994 und dann zwei komplett unterschiedliche Figuren auftauchen die den selben Namen tragen, ist das bestimmt nicht für jeden ersichtlich, aber raffiniert. So geht das die ganze Zeit, wenn man sich damit mal beschäftigt kann man da schon einiges zusammentragen.

Die vielziterten Dialoge und Gewaltausbrüche ziehen sich auch durch seine Filme. Aber betrachten wir das ganze mal als Werkzeug. Es gibt hier die comichafte und die ernsthafte Seite. Während Christoph Waltz einem Milchbauern einen perfiden Vergleich offenbart, ist es absolut komisch, während Uma Thurman knapp 100 Martial Arts-Meistern den Garaus macht. Noch dazu kann man diese Szenen wie schon angesprochen als kleine Tools betrachten, um die mehr oder weniger komplexe oder doch so simple Handlung voranzutreiben. In einer Tavernensequenz oder während eines Dinners warten wir über 20 Minuten darauf, das ''die Bombe explodiert'', weil wir Kenntnis über etwas haben, das wir zwar nicht hundertprozentig wissen, aber es dennoch erahnen. Figuren scheiden weg und genau hier dreht sich diese Vorahnung wieder um. Tarantinos Filme kann man also nicht vorhersehen. Dabei sucht er bestimmt nicht nach der hässlichen Seite, die sinnentleert versucht gewalttätig zu sein, sondern das ganze kann man wie einen Tanz betrachten der sich verliert. Die körperliche sowie die verbale Gewalt verliert durch einen moralischen Kontext ihre Gewalttätigkeit und wird somit ästhetisiert.

Solangsam will ich aber auch mal zum Ende kommen und euch mit einer persönlichen Rangliste entlassen, wie ich seine Filme bewerten würde. Vom stärksten bis zum für mich persönlich schwächsten seiner Filme.

Django Unchained
Pulp Fiction
Inglourious Basterds
Once Upon a Time in Hollywood
Jackie Brown
Reservoir Dogs
The Hateful Eight
Kill Bill
Death Proof - Todsicher

Bin gespannt auf Meinungen.
LG Erik