Wahrscheinlich lesen das sowieso nicht viele, aber hier wurd schon länger nichts gepostet und ich wollte unsere Geschichte hier auch einfach mal verewigen. :-)


Wir waren beide dreizehn Jahre alt, als wir uns kennenlernten.

Zuvor hatten meine Eltern für unseren Sommerurlaub eine Ferienwohnung gebucht, die uns keine Woche vor dem Urlaubsantritt gestrichen wurde. Ein Wasserrohrbruch, in eben genau dieser Wohnung, machte es für einen unbestimmten Zeitraum nicht möglich, darin zu wohnen.
So mussten wir uns nach einer Alternative umsehen und das war eine ziemlich große Herausforderung. Wir hatten uns schließlich schon fast mit dem Gedanken abgefunden, dass aus dem Urlaub nichts wird und wir die Ferien mit Ausflügen in der Nähe verbringen würden, als uns eine E-Mail erreichte. Die E-Mail kam von einer Frau, bei der wir uns ganz zu Anfang auch nach einer Wohnung erkundigt hatten, uns jedoch mitgeteilt wurde, dass bereits alles ausgebucht war. Sie schilderte uns, dass durch einen unglücklichen Zufall eine Familie, die in genau dem Zeitraum eine Wohnung dort belegt hätte, sich bei deren zuvor angetretenen Spanien-Urlaub die Schweinegrippe eingefangen hätte und sie den Urlaub dort leider absagen mussten.
Wenn wir also noch Interesse hätten, könnten wir die Wohnung gern haben.

Wir freuten uns, auch wenn es um die andere Familie wirklich schade war. Wir packten unsere Sachen und fuhren los, gut gewappnet mit Jogginghose und Schlabber-Tshirt für die zehnstündige Fahrt.
Dort (mit ''dort'' ist übrigens ein Bergbauernhof im Schwarzwald gemeint, wobei Sommerurlaub da einfach besser klingt.. aber hey, wir waren jung!) angekommen und aus dem Auto ausgestiegen, war im Prinzip das erste was ich sah Er. Im wahrsten Sinne des Wortes. Keinen Meter vor mir ging er mit einem Hund und einem anderen Mann (den ich zu dem Zeitpunkt für seinen Vater hielt) an mir vorbei. Ich fragte mich sofort, wer er wohl war, beließ es aber vorerst auch bei der Frage und musste beim Abendessen, als ich von meiner Mutter gefragt wurde, ob ich mich denn schon mit dem netten Jungen angefreundet hätte, verneinen.

Am nächsten Tag schaute ich mich auf dem Hof ein wenig um und ging in den Ziegenstall. Wenige Minuten später kam er dazu und ich hatte absolut keine Ahnung, was ich machen sollte. Also tat ich das einzig sinnvollste: Ich schwieg. So konnte ich zumindest nichts falsch machen, dachte ich mir. Dasselbe musste er auch gedacht haben, denn er sagte ebenfalls nichts. So streichelten wir die Ziegen ein wenig, bis mir das zu doof wurde und ich mich möglichst unbemerkt davon machen wollte. Das klappte super, denn direkt an der nächsten Metallstange stieß ich mir den Kopf mit einem lauten Plonng!. Mir war es eher peinlich, als dass es wehtat und so lächelte ich noch kurz verlegen und sah zu, dass ich aus dem blöden Stall schnell wieder herauskam. :-D
Später saß ich draußen mit einem Buch auf einer Bank und las, als ich neben mir ein schüchternes "Hallo'' im Vorbeigehen hörte. Als ich hoch sah, sah ich nur noch, wie er hinter der nächsten Ecke verschwand. Kurze Zeit später kam er mit einem Eis in der Hand wieder, ging an der anderen Seite hoch und sagte wieder "Hallo". So ging das eine ganze Zeit lang. Erst ging er an der einen Seite vorbei und kam kurz darauf an der anderen Seite wieder hoch und all das stets mit einem netten ''Hallo'' auf den Lippen. Ich fand das relativ witzig und merkte, dass wir beide uns wohl ziemlich tollpatschig und schüchtern anstellten.

Als ich einige Zeit danach ihn und meine Mutter sich unterhaltend auf einer anderen Bank sah, fielen mir beinahe die Augen aus dem Kopf. Ich ging hin und wir wurden dann auch prompt einander vorgestellt. "Nina, kennst du Sascha schon?" - ... Wir schauten beide verlegen weg. Danach stand sie auf, sagte ich könne mich ruhig setzen und ging. Da saß ich also mit Sascha auf einer Bank und wir fingen zögerlich und schüchtern ein Gespräch an.

Da wir tagsüber mit unseren Familien meistens Ausflüge machten, blieb da wenig Zeit sich näher kennenzulernen. Abends allerdings saßen wir dann öfter gemeinsam auf eben dieser Bank und unterhielten uns über die verschiedensten Dinge, bis in die Nacht hinein. Manchmal sagten wir auch einfach nichts, saßen nebeneinander und schauten über die Landschaft - oder, wenn es dunkel wurde, beobachteten wir die Sterne. Es war unglaublich schön, vor allem, weil man dort natürlich so viel mehr Sterne sah als in der Großstadt. Auch das Schweigen war alles andere als unangenehm.

Einige Tage später fuhr er dann mit seiner Familie wieder nach Hause. Bevor er fuhr, drückte er mir ein herausgerissenes Kalenderblatt in die Hand, auf dem Name, Adresse, Handynummer etc. draufstanden (in eindeutig nicht seiner Schrift, wahrscheinlich die Idee seiner Mutter :-D ) und gab mir noch einen Zettel, damit ich meine Daten aufschreiben konnte. Zudem bestand seine Mutter darauf, einige Erinnerungsfotos von uns zu machen und auch wenn wir beide Fotos machen nicht sonderlich mochten, fügten wir uns unserem Schicksal (die Bilder sehen auch dementsprechend aus, aber heute bin ich dankbar dafür). Dann waren sie weg.

Nach dem Urlaub hielten wir den Kontakt über SchülerVZ und schrieben uns dort Nachrichten. Viele(!) Nachrichten. Sich Wiedersehen war da gar nicht so einfach, weil ziemlich viele Kilometer zwischen uns lagen und wir nicht sonderlich alt gewesen sind. Die Zeit verging und nach einem Jahr löste sich der Kontakt allmählich auf. Woran das lag, kann ich gar nicht mehr genau sagen, aber irgendwie schrieben wir nur noch sehr selten.
Schließlich fanden wir uns auf Facebook und fingen dort wieder an, mehr miteinander zu schreiben. Dann auch über Skype, ICQ, übers Handy... der Kontakt war gar nicht mehr wegzudenken.
Nach ungefähr drei Jahren dann haben wir uns letztendlich wiedergesehen, auch wenn es ziemlich spontan geplant war. Er fuhr in den hohen Norden und blieb eine Woche bei mir. Viel muss man dazu gar nicht mehr sagen, außer, dass das alles dann so langsam seinen Lauf genommen hat. :-)

Nun sind wir beide neunzehn Jahre alt und seit über eineinhalb Jahren zusammen.
Demnach: Ein Hoch auf Wasserrohrbrüche und die Schweinegrippe (nur metaphorisch natürlich)! :-D

Liebe Grüße.
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I don't shave for Sherlock Holmes.