Hallo liebe Forengemeinde,

ich moechte meine Gedanken und Sorgen in Worte zu fassen, um zumindest virtuell Hilfe zu finden. Vorab moechte ich betonen, dass ich mir unschluessig darueber bin, ob ich im richtigen Subforum bin, jedoch kann man meinen Thread bei Bedarf ja noch verschieben.

Um nun zu meinem Anliegen zu kommen: Ich bin der festen Überzeugung, ich habe eine Essstoerung. Bis zu meinem 13. Lebensjahr war ich immer lebensbedrohlich uebergewichtig. Ich hatte Bluthochdruck und war metabolikerin. Nach einigen unschoenen Erfahrungen in meiner Kindheit habe ich mich dann mit den Inhalten der gesunden Ernaehrung und Lebensführung beschaeftigt. Ich habe lange Zeit Dokumentationen studiert die eben diese Themen behandelten, habe die Grundlagen der Ernaehrung in Fachliteratur nachgelesen und habe mich mit der grundlegenden Anatomie des Menschen befasst (hier kam mir mein naturwissenschaftliches Interesse oft zu gute). Mit 14 Jahren reduzierte ich so mein Gewicht deutlich und dauerhaft, so dass ich eigentlich ueber Idealmaße verfuegte. In dieser Zeit habe ich nicht nur auf eine perfekte Kalorienbilanz geachtet, ich habe auch auf den perfekten Kohlenhydrat-Fett-Eiweiß Haushalt geachtet. Darueber hinaus legte ich großen Wert auf gesunde Fette mit moeglichst vielen ungesaettigten Fettsaeuren, ich aß vermindert Fleisch. Das ist alles wunderbar - aber ich war eben erst 14 Jahre alt. Und diese Charakteristika einer gesunden Ernaehrung wurden jetzt von einem Menschen betrachtet, der zuvor weder Obst, Gemuese oder Fisch aß und von gesunder Ernaehrung wirklich ueberhaupt keine Ahnung hatte. Hier ist anzufuehren, dass ich keinen Sport trieb. Sport war in meinen Augen ueberfluessig.

Nach einem halben Jahr hielt ich meiner staendigen Kontrolle nicht mehr stand und ich brach meine Ernaehrungsumstellung ab. Von dem einen auf den anderen Tag habe ich die Ballast-, Mineral-, und sekundaeren Pflanzenstoffe in den Regal geschoben und die Nutella herausgeholt. Und so wie ich es schreibe meine ich es: Es ging nicht nur von den einen auf den anderen Tag, es ging von der einen Minute auf die andere. Ich war nun wie ausgewechselt, ich fraß das ungesundeste Zeug und es war mir egal. Ich schob mir die Joule so tief in den Rachen bis ich, entschuldigt, kotzen musste. Natuerlich habe ich dann wieder zu genommen und schwuppsdiwupps war ich wieder ungluecklich.
Einige Zeit spaeter fasste ich wieder den Mut und holte die "gesunde" Ana-Rita zum vorschein. Schonwieder war ich wie ausgewechselt und ich befasste mich wieder stundenlang mit dem Thema. Dann war es mir wieder egal und so weiter und so weiter..
Mit 16 Jahren wog ich dann so viel, dass ich eine stationaere Rehabilitationsmaßnahme absolvierte. Dort erlernte ich ein unkontrolliertes, gesundes Ess- und Sportverhalten und die Pfunde purzelten. Dieses Gewicht habe ich nun 2 Jahre gehalten - mir ging es einfach nur mega gut. Und wisst ihr wie es jetzt ist? Ich habe fast alles wieder drauf, weil mich diese Dipersoenlichkeit einfach nicht loslaesst. Auf der einen Seite kontrolliere ich mich an den Maßstaeben der gesunden Ernaehrung (mittlerweile bin ich "vom Fach" -> Ernaehrungswissenschaftliches Oberstufengymnasium), auf der anderen Seite ist es mir scheißegal ich schnabuliere das Essen in ungeahntem Ausmaß.

Mir kommt es vor, als saeßen Engelchen und Teufelchen auf meiner Schulter. Ich finde keinen gesunden Mittelweg zwischen "sehr gut" und "sehr schlecht". Entweder ganz, oder garnicht.

Ich schreibe das hier jetzt nicht, um von irgendwelchen Hobbypsychotherapeuten Ferndiagnosen gestellt zu bekommen. Ich benoetige auch kein Mitleid oder sonst was (praeventiv wegen den dummen Kommentaren)..
Ich moechte nur wissen, ob es eine in der Allgemeinheit anerkannte Essstoerung gibt, welche sich durch meine Symptome als Charakteristika erkennen laesst? Ist jemand von euch betroffen oder steckt in einer aehnlichen Lebenssituatuon? Mich wuerde es freuen wenn man sich hier mal relativ neutral austauschen koennte.